This is truly an all-time favourite, Biermann’s “Ballade auf den Dichter François Villon”. The words follow.
I do have some specific questions about the lyrics, but what I'd be particularly interested in would be any general comments you could make on the sort of stuff foreigners wouldn't easily pick up.
Anyway, these are the specific questions. Not to worry if you're not sure about some of them, as I say, it's really general observations about the song that I'd be interested in:
1. Is “die dicke Margot” Honecker’s wife, by any chance? Perhaps she used to appear on DDR-FS?
2. Re
Er wollt nicht, daß sein Hinterteil
Ihm schwer am Halse hinge
Is there an idiomatic expression hidden in there somewhere? Perhaps one would normally say something like, “Sein Schicksal hing ihm schwer am Hals”/Die Untreue seiner Frau hing ihm schwer am Hals”?
3. As for Adlershof, I know that the MfS was there; so too was the East German TV HQ (DFF then DDR-FS from 1972), and the Akademie der Wissenschaften der DDR. So, was there also a vodka distillery there too? Or is there a political joke here somewhere?
All the best,
Simon
BALLADE AUF DEN DICHTER FRANÇOIS VILLON
1
Mein großer Bruder Franz Villon
Wohnt bei mir mit auf Zimmer
Wenn Leute bei mir schnüffeln gehn
Versteckt Villon sich immer
Dann drückt er sich in' Kleiderschrank
Mit einer Flasche Wein
und wartet, bis die Luft rein ist.
Die Luft ist nie ganz rein.
Er stinkt, der Dichter. Blumensüß
muß er gerochen haben,
Bevor sie ihn vor Jahr und Tag
Wie'n Hund begraben haben
Wenn mal ein guter Freund da ist
Vielleicht drei schöne Fraun
Dann steigt er aus dem Kleiderschrank
Und trinkt bis Morgengraun
Und singt vielleicht auch mal ein Lied
Balladen und Geschichten
Vergißt er seinen Text, soufflier
Ich ihm aus Brechts Gedichten.
2
Mein großer Bruder Franz Villon
War oftmals in den Fängen
Der Kirche und der Polizei
Die wollten ihn aufhängen.
Und er erzählt, er lacht und weint
Die dicke Margot dann
Bringt jedesmal zum Fluchen
Den alten alten Mann
Ich wußte gern was die ihm tat
Doch will ich nicht drauf drängen
Ist auch schon lange her
Er hat mit seinen Bittgesängen
Mit seinen Bittgesängen hat
Villon sich oft verdrückt
Aus Schuldturm und aus Kerkerhaft
Das ist ihm gut geglückt
Mit seinen Bittgesängen zog
Er sich oft aus der Schlinge
Er wollt nicht, daß sein Hinterteil
Ihm schwer am Halse hinge
3
Die Eitelkeit der höchsten Herrn
Konnt meilenweit er riechen
Verewigt hat er manchen Arsch
In den er mußte kriechen
Doch scheißfrech war François Villon
Mein großer Zimmergast
Hat er nur freie Luft geschluckt
und roten Wein gepraßt.
Dann sang er unverschämt und schön
Wie Vögel frei im Wald
Beim Lieben und beim Klauengehn
Nun sitzt er da und lallt
Der Wodkaschnaps aus Adlershof
Der druckt ihm aufs Gehirn
Mühselig liest er das „ND"
(Das Deutsch tut ihn verwirrn).
Zwar hat man ihn als Kind gelehrt
Das hohe Schul-Latein
Als Mann jedoch ließ er sich mehr
Mit niederm Volke ein.
4
Besucht mich abends mal Marie
Dann geht Villon so lang
Spazieren auf der Mauer und
Macht dort die Posten bang
Die Kugeln gehen durch ihn durch
Doch aus den Löchern fließt
Bei Franz Villon nicht Blut heraus
Nur Rotwein sich ergießt
Dann spielt er auf dem Stacheldraht
Aus Jux die große Harfe
Die Grenzer schießen Rhythmus as usual
Verschieden nach Bedarfe
Erst wenn Marie mich gegen früh
Fast ausgetrunken hat
Und steht Marie ganz leise auf
Zur Arbeit in die Stadt
Dann kommt Villon und hustet wild
Drei Pfund Patronenblei
Und flucht und spuckt und ist doch voll
Verständnis für uns zwei
5
Natürlich kam die Sache raus
Es läßt sich nichts verbergen
In unserm Land ist Ordnung groß
Wie bei den sieben Zwergen
Es schlugen gegen meine Tür
Am Morgen früh um 3
Drei Herren aus dem großen Heer
Der Volkespolizei
„Herr Biermann" - sagten sie zu mir –
„Sie sind uns wohl bekannt
Als treuer Sohn der DDR
Es ruft das Vaterland
Gestehen Sie uns ohne Scheu
Wohnt nicht seit einem Jahr
Bei Ihnen ein gewisser
Franz Fillonk mit rotem Haar?
Ein Hetzer, der uns Nacht für Nacht
In provokanter Weise
Die Grenzsoldaten bange macht."
Ich antwortete leise:
6
Jawohl, er hat mich fast verhetzt
Mit seinen frechen Liedern
Doch sag ich Ihnen im Vertraun:
Der Schuft tut mich anwidern!
Hätt ich in diesen Tagen nicht
Kurellas Schrift gelesen
Von Kafka und der Fledermaus
Ich wär verlorn gewesen
Er sitzt im Schrank, der Hund
Ein Glück, daß Sie ihn endlich holn
Ich lief mir seine Frechheit langst
ab von den Kindersohln
Ich bin ein frommer Kirchensohn
Ein Lämmerschwanzchen bin ich
Ein stiller Bürger. Blumen nur
In Liedern sanft besing ich."
Die Herren von der Polizei
Erbrachen dann den Schrank
Sie fanden nur Erbrochenes
Das mählich niedersank.
Answer Die dicke Margot scheint vielleicht [auch] eine Figur aus der Lyrik von François Villon zu sein?
Vergleiche hier diese künstlerische Darstellung? Und den Wikipedia-Link weiter unten.
ANDREAS PAUL WEBER Arnstadt/Thür. 1893 - 1980 Schretstaken
Villon: Die dicke Margot. Vollbusige Frau lehnt sich aus dem Fenster, dahinter ein kosender Mann; im Vordergrund drei sie betrachtende Männer. Tuschfederzeichnung über gelblicher Tonplatte. Vgl. Dorsch 2589 (seitenverkehrte Litho von 1963; Variante mit Passantenzug). - In Bleistift monogrammiert. Auf chamoisfarbenem Bütten. 28,2 x 18,1 cm (Blatt: 39,3 x 30,6 cm). Mit leichten Randknickspuren. A. P. Weber schuf ab ca. 1939 mehrere Fassungen zu der “Ballade von Villon und der dicken Margot”. [ms] http://www.lot-tissimo.com/de/cmd/d/o/184.75.1490/auk/75/
2. Re
Er wollt nicht, daß sein Hinterteil
Ihm schwer am Halse hinge
Is there an idiomatic expression hidden in there somewhere? Perhaps one would normally say something like, “Sein Schicksal hing ihm schwer am Hals”/Die Untreue seiner Frau hing ihm schwer am Hals”?
I don't know spontaniously such an expression in German...
Nach 1945 wurde in Adlershof die Akademie der Wissenschaften der DDR angesiedelt, die insbesondere viele Institute der angewandten Forschung beherbergte. Auch das Fernsehen wurde am Standort platziert – von 1950 bis 1952 entstand das Fernsehzentrum Adlershof nach Plänen von Wolfgang Wunsch. In den neuen Studios ging am 21. Dezember 1952 erstmals der Deutsche Fernsehfunk (DFF) auf Sendung. In der DDR-Zeit war hier auch das Wachregiment Feliks Dzierzynski (Gesamtstärke 12.000 Mann) mit Teilen stationiert, das Regiment nutzte den ehemaligen Flugplatz als Munitionslagerplatz, für die militärische Körperertüchtigung und als Paradeübungsstrecke. Auch das Akademie- und das Fernsehgelände waren in dieser Zeit eingezäunt, so dass diese Gelände faktisch losgelöst von den Wohngebieten auf der nordöstlichen Seite des Bahndamms existierten.
In Berlin-Adlershof wurde auch ein Radioteleskop mit 36 Meter Durchmesser errichtet und einige Forschungsinstitute angesiedelt.
"Der Wodkaschnaps aus Adlershof"
If there was a distillery, I don't know...
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jmdn., etw. am/auf dem H. haben (ugs.; mit jmdm., etw. belastet sein; viel Mühe od. Ärger mit jmdm., etw. haben): sie hat immer ziemlich viel am H.;
sich ‹Dativ› jmdn., etw. auf den H. laden (ugs.; sich mit jmdm., etw. belasten u. dadurch viel Arbeit u. Verantwortung auf sich nehmen);
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